Täglicher Marktbericht
Bericht vom 20.04.2026
Marktbericht Kraftstoffpreise Deutschland – 20. April 2026
Extreme Ausreißer: Leu Energie mit historischer Haltezeit-Anomalie
Der auffälligste Wert des Tages betrifft Leu Energie im Diesel-Segment: Die mediane Haltezeit nach der 12-Uhr-Erhöhung verdoppelte sich von 62 auf 127 Minuten – eine Abweichung von +360 Sigma vom Normalwert. Dies ist statistisch extrem außergewöhnlich und deutet auf eine bewusste Strategieänderung hin. Parallel sank der Anteil der Stationen, die binnen zwei Stunden wieder reduzierten, von 89% auf nur noch 30% (Sigma -11,4). Die Marke hält also ihre Diesel-Preise am Standort Hof, Burglengenfeld und Umgebung deutlich länger auf erhöhtem Niveau als üblich.
| Marke | Kraftstoff | Metrik | Vorher | Nachher | Sigma |
|---|---|---|---|---|---|
| Leu Energie | Diesel | Haltezeit (Median) | 62 min | 127 min | +360,4 |
| Leu Energie | Diesel | Senkung <2h | 88,7% | 30,0% | -11,4 |
| A Energie | E10 | Haltezeit (Median) | 20 min | 15 min | -7,2 |
| Roth-Energie | E10 | Haltezeit (Median) | 51 min | 226 min | +6,0 |
| GULF | E5 | Haltezeit (Median) | 37 min | 125 min | +5,7 |
Roth-Energie (Hessen, NRW) zeigt ein ähnliches Muster: Die Haltezeit bei E10 stieg von 51 auf 226 Minuten, bei E5 von 49 auf 202 Minuten. Gleichzeitig brach der Anteil der Stationen mit schneller Senkung von über 80% auf unter 27% ein. Die Marke verzichtet heute weitgehend auf aggressive Preissenkungen nach der Mittagserhöhung.
Sprint (Berlin, Dresden, Ostdeutschland) verhält sich identisch: Haltezeit bei E5/E10 steigt von 43 auf 145 Minuten, der Anteil schneller Senkungen fällt von 83% auf 28%.
Gegenläufig agiert A Energie (Rheinland-Pfalz): Die Haltezeit verkürzte sich von 20 auf 15 Minuten – die Marke senkt also schneller als üblich und positioniert sich aggressiver im Preiswettbewerb.
12-Uhr-Erhöhungen: EDEKA und MINERA mit überdurchschnittlichen Aufschlägen
EDEKA erhöhte heute deutlich stärker als im Referenzzeitraum: Bei E10 stieg der Durchschnittsaufschlag von 5,9 auf 9,7 Cent (Sigma +3,9), bei E5 von 5,8 auf 9,6 Cent. Dies bedeutet, dass EDEKA-Tankstellen (Gersthofen, Hamburg, Ingolstadt, Neumünster) heute ein signifikant höheres Ausgangsniveau nach der Mittagserhöhung etabliert haben.
MINERA (Mannheim, Knittlingen, Viernheim) erhöhte bei Benzin ebenfalls überdurchschnittlich: 13,5 Cent statt der üblichen 8,5 Cent (Sigma +2,9). Trotzdem bleibt die Marke mit einem delta von -2,8 Cent unter dem regionalen Marktschnitt – die höhere Erhöhung kompensiert also einen vorherigen Preisvorteil.
| Marke | Erhöhung Ø | Haltezeit Median | Senkung <2h | Strategie |
|---|---|---|---|---|
| ESSO | 14–21 ct | 36 min | 99% | Schnellste Reaktion |
| STAR | 14–16 ct | 33–35 min | 99% | Aggressive Senkung |
| JET | 12–15 ct | 21–46 min | 74–100% | Produktabhängig |
| TotalEnergies | 13–14 ct | 77 min | 94–98% | Mittelschnell |
| ARAL | 10–11 ct | 125 min | 5% | Preishalter |
| SHELL | 11 ct | 124 min | 14–16% | Preishalter |
| ENI | 7 ct | 90 min | 56% | Moderate Erhöhung |
ESSO und STAR senken am schnellsten: Binnen 36 Minuten reagieren fast alle Stationen. ARAL und SHELL halten dagegen den erhöhten Preis über zwei Stunden – nur 5% bzw. 15% senken vor 14 Uhr. ENI fällt durch die niedrigste Erhöhung auf (nur 7 Cent), behält aber den Preis länger bei.
Regionale Cluster: BayWa teuer, Raiffeisen und Freie Tankstellen günstig
Die Clusteranalyse zeigt heute ausgeprägte regionale Preisabweichungen:
| Marke/Kraftstoff | Stationen | Δ zum Markt | Region |
|---|---|---|---|
| ARAL E5 | 13 | +2,4 ct | Einbeck, Hannover, Helmstedt |
| JET Diesel | 13 | +2,2 ct | Bayern, Baden-Württemberg |
| BayWa Diesel | 26 | +1,2 ct | Bayern (Bad Abbach bis Aidenbach) |
| Freie Tankstelle Diesel | 8 | -2,8 ct | Emsland, Ostfriesland |
| TotalEnergies E10 | 10 | -2,6 ct | Baden-Württemberg |
| AVIA Diesel | 7 | -2,6 ct | Baden-Württemberg |
| BFT Diesel | 9 | -2,5 ct | NRW (Bonn, Bergisch Gladbach) |
| Raiffeisen Diesel | 20 | -1,4 ct | NRW, Baden-Württemberg |
Praktische Bedeutung: Im Emsland und Ostfriesland (Börger, Greetsiel, Haren) sind freie Tankstellen fast 3 Cent günstiger als der lokale Marktschnitt. In Bayern hingegen liegt BayWa mit 26 Diesel-Stationen konstant über dem Markt. In der Region Hannover-Helmstedt ist ARAL mit +2,4 Cent bei E5 der teuerste Anbieter.
Preisstreuung: Team und BMÖ mit heterogener Preisstrategie
Die Standardabweichung zwischen Stationen derselben Marke (stddev) zeigt, wie einheitlich die Preisstrategie ist. Auffällig heute:
Team (Schleswig, Flensburg, Rendsburg): Die stddev stieg bei E10 von 1,4 auf 3,0 Cent (Sigma +3,3). Die Marke fährt also aktuell regional sehr unterschiedliche Preise – möglicherweise als Reaktion auf lokale Wettbewerber.
BMÖ (Bremen, Delmenhorst): Ähnliches Bild mit stddev-Anstieg von 0,6 auf 1,6 Cent bei E10. Die Marke differenziert heute stärker nach Standort.
Gegenläufig: Greenline zeigt bei Diesel eine Homogenisierung (stddev sinkt von 1,8 auf 1,2 Cent).
Wettbewerbslage (PKI): Intensiver Wettbewerb auf hohem Niveau
Der Preiskampf-Intensitäts-Index liegt heute bei 72–75 von 100 Punkten – ein klares Zeichen für aktiven Wettbewerb:
| Kraftstoff | PKI | Recovery | Haltezeit | Episoden |
|---|---|---|---|---|
| E5 | 72,2 | 85,2% | 75 min | 7.520 |
| E10 | 72,3 | 85,4% | 74 min | 7.247 |
| Diesel | 74,6 | 87,5% | 61 min | 8.845 |
Interpretation: Der Markt gibt über 85% der 12-Uhr-Erhöhung im Tagesverlauf durch Senkungen wieder zurück. Bei Diesel ist der Wettbewerb am intensivsten (PKI 74,6), mit der schnellsten Reaktionszeit (61 Minuten) und den meisten lokalen Senkungsketten (8.845 Episoden).
Preisführer (teuer): SCORE (+4,6–4,8 ct), ENI (+3,2–3,5 ct), ARAL (+2,6–2,9 ct). Diese Marken etablieren das obere Preisniveau.
Unterbieter (günstig): ORLEN (-2,9 bis -3,0 ct), GLOBUS (-2,6 bis -2,7 ct), SB-Tankstellen (-2,5 bis -2,7 ct), Q1 bei Diesel (-3,1 ct).
12,2% der Stationen liegen mehr als 2 Cent unter ihren Nachbarn – ein Zeichen für aktive lokale Unterbietung. Der Markt ist nicht oligopolistisch erstarrt, sondern zeigt echten Preiswettbewerb, insbesondere bei Diesel.
Markenverhalten: A Energie und MINERA deutlich unter Markt
| Marke | E5 Δ | E10 Δ | Diesel Δ | Leader-Ratio | Region |
|---|---|---|---|---|---|
| A Energie | -2,5 ct | -2,5 ct | -4,4 ct | 50–83% | Rheinland-Pfalz |
| MINERA | -2,8 ct | -2,8 ct | -2,5 ct | 83–100% | Rhein-Neckar |
| Team | -1,5 ct | -1,6 ct | -1,4 ct | 72–84% | Norddeutschland |
| Leu Energie | +1,4 ct | +1,5 ct | +1,4 ct | 50–67% | Bayern, Oberfranken |
| Lanfer | +0,5 ct | +1,7 ct | +1,0 ct | 80–100% | Ostfriesland |
A Energie ist heute bei Diesel mit -4,4 Cent der günstigste regionale Anbieter im Westerwald/Rheinland-Pfalz. Die hohe Leader-Ratio von 83% zeigt, dass die Marke Preissenkungen initiiert.
Lanfer (Ostfriesland) erreicht eine Leader-Ratio von 100% bei E5 – eine Anomalie von +3,1 Sigma. Die Marke führt heute bei Benzin sämtliche Preissenkungen an, senkt aber nicht binnen zwei Stunden nach der 12-Uhr-Erhöhung (0% vs. normal 71%).
Zusammenfassung
Der 20. April 2026 zeigt einen aktiv umkämpften Markt (PKI 72–75) mit drei dominanten Mustern:
- Preiszurückhaltung bei Regionalen: Leu Energie, Roth-Energie und Sprint halten ihre Preise nach der 12-Uhr-Erhöhung heute deutlich länger als üblich – ein Strategiewechsel weg von schneller Preissenkung.
- Aggressive Erhöhungen bei EDEKA/MINERA: Beide Marken setzen höhere Mittags-Aufschläge als im Referenzzeitraum.
- Klare Preishierarchie: ARAL, ENI und SCORE bilden das obere Preisniveau, während ORLEN, GLOBUS und freie Tankstellen den Discount-Bereich bedienen.
Der Wettbewerb funktioniert: 85–88% der Erhöhungen werden im Tagesverlauf zurückgegeben, lokale Senkungsketten sind mit über 7.000 Episoden täglich zahlreich. Die Regulierung der einmaligen Mittagserhöhung hat den Preiskampf auf die Nachmittagsstunden verlagert – nicht eliminiert.
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