Täglicher Marktbericht

Bericht vom 19.04.2026

Marktbericht Kraftstoffpreise Deutschland – 19. April 2026

Statistisch auffällige Ausreißer

Der heutige Handelstag zeigt mehrere statistisch hochsignifikante Abweichungen vom 14-Tage-Normalwert. Die größten Ausreißer betreffen das 12-Uhr-Erhöhungsverhalten sowie die Preisstreuung bei regionalen Anbietern.

MarkeSorteMetrikReferenzwertAktuellSigma
SB-MarkttankstelleE5/E10Median Haltezeit46,9 min63,0 min+9,29
BMÖDieselLeader Ratio89,7%25,0%−5,71
BerglerE10Preisstreuung2,43 ct6,95 ct+5,26
GULFDieselMarktabweichung−0,65 ct−4,03 ct−4,58
CleanCarE10Preisstreuung0,87 ct1,81 ct+4,74
AVIA XPressDieselLeader Ratio73,6%54,1%−3,77
CLASSICE10Leader Ratio75,5%45,0%−3,53

Interpretation der Top-Anomalien:

SB-Markttankstelle hält den erhöhten 12-Uhr-Preis heute im Median 16 Minuten länger als im Referenzzeitraum – ein extremer Sigma-Wert von +9,29 deutet auf eine bewusste Strategieänderung hin. Die Stationen reagieren verzögert auf den Wettbewerbsdruck nach der Mittagserhöhung.

BMÖ (Bremen, Osterholz-Scharmbeck, Delmenhorst) zeigt bei Diesel einen dramatischen Rückgang der Preisführerschaft von 89,7% auf nur noch 25%. Die Marke wechselt damit vom aktiven Preissetzer zum Follower – möglicherweise eine Reaktion auf verstärkten lokalen Wettbewerb im Bremer Raum.

Bergler (Oberpfalz, Standorte u.a. Amberg, Grafenwöhr, Bodenwöhr) weist eine ungewöhnlich hohe Preisstreuung zwischen den Stationen auf. Die Standardabweichung bei E10 ist von 2,43 ct auf 6,95 ct gestiegen – das deutet auf eine dezentralisierte Preispolitik hin, bei der einzelne Stationen stark vom Markenpreis abweichen.

GULF senkt den Diesel-Durchschnittspreis deutlich unter den Marktmedian: −4,03 ct statt der üblichen −0,65 ct. Die Marke positioniert sich heute als aggressiver Preisbrecher bei Diesel.

Regionale Preiscluster

Die Clusteranalyse identifiziert koordinierte Preisabweichungen in zusammenhängenden Regionen. Auffällig sind heute mehrere großflächige Niedrigpreis-Cluster sowie lokale Hochpreis-Inseln.

Marke/SorteStationenΔ MarktRegionKernorte
SHELL Diesel6−7,62 ctNRWDormagen, Dortmund, Eschweiler, Hünxe
SHELL E56−6,32 ctNRW/HessenEschweiler, Bottrop, Düren, Limburg
Freie Tankstelle E57+3,65 ctBayernAtting, Eichendorf, Oberwiesenacker
BFT Diesel28−2,31 ctBY/HE/THSchweinfurt, Bayreuth, Geiselwind, Hof
TotalEnergies E57−2,72 ctBWAugsburg, Calw, Hohentengen
AVIA E108+2,16 ctNiedersachsenButjadingen, Edewecht, Hoogstede
Q1 E510+1,29 ctNRW/NIBeelen, Blomberg, Bohmte, Bad Bentheim

Besonders bemerkenswert: Sechs SHELL-Stationen im nordrhein-westfälischen Raum (Dormagen bis Eschweiler) unterbieten den lokalen Diesel-Marktpreis um durchschnittlich 7,6 Cent. Dies ist der größte zusammenhängende Niedrigpreis-Cluster des Tages und deutet auf eine gezielte regionale Preisoffensive hin.

Dem gegenüber stehen freie Tankstellen in Niederbayern (Raum Straubing/Deggendorf), die bei E5 durchschnittlich 3,65 ct über dem Markt liegen – hier fehlt offenbar lokaler Wettbewerbsdruck.

Der BFT-Cluster erstreckt sich mit 28 Stationen über einen Radius von 239 km quer durch Franken und zeigt eine konsistente Diesel-Unterbietung von 2,3 ct.

Wettbewerbslage (PKI-Analyse)

Der Preiskampf-Intensitäts-Index zeigt heute einen moderat intensiven Wettbewerb mit PKI-Werten zwischen 75,0 (E5) und 75,6 (Diesel) von 100 möglichen Punkten.

SortePKIRecoveryTeilnahmeØ ErhöhungØ SenkungHaltezeit
E575,090,0%98,6%11,1 ct1,9 ct61 min
E1075,190,1%98,7%11,0 ct1,9 ct61 min
Diesel75,691,2%98,8%13,0 ct2,3 ct60 min

Marktstruktur: Der Markt zeigt ein aktives Wettbewerbsgeschehen, bei dem die 12-Uhr-Erhöhungen im Tagesverlauf zu etwa 90% wieder abgebaut werden. Das Verhältnis Senkungen zu Erhöhungen liegt bei rund 5,8:1 – auf jede Erhöhung folgen also durchschnittlich fast 6 Senkungsschritte.

Preisführer (teuerste Marken):

  • ENI liegt bei allen Sorten deutlich über dem Markt (+4,2 bis +4,8 ct)
  • ARAL positioniert sich im Premium-Segment (+2,2 bis +3,0 ct)
  • ESSO bei Diesel ebenfalls teurer (+2,3 ct)

Preisbrecher (günstigste Marken):

  • ED am günstigsten bei Benzin (−3,4 ct E5, −3,7 ct E10)
  • ORLEN bei Diesel am günstigsten (−4,1 ct)
  • STAR bei Diesel ebenfalls deutlich unter Markt (−3,5 ct)
  • Supermarkt-Tankstellen und SB konstant im Niedrigpreis-Segment

Die Unterbietungsquote (>2 ct unter lokalem Nachbar-Durchschnitt) liegt bei 14–15% – ein Zeichen für punktuellen, aber nicht flächendeckenden Preiswettbewerb. Das Bild entspricht einem oligopolistischen Markt mit funktionierendem Randwettbewerb: Die großen Marken setzen ein Preisniveau, das von Discountern und freien Tankstellen regional unterlaufen wird.

12-Uhr-Erhöhungsverhalten

Die seit 1. April 2026 geltende Preisanpassungsverordnung erlaubt nur noch eine tägliche Erhöhung um 12:00 Uhr. Die Marken unterscheiden sich deutlich in Erhöhungshöhe, Haltezeit und Reaktionsgeschwindigkeit.

MarkeSorteØ ErhöhungMedian HaltezeitSenkung <2hErste Senkung
ESSODiesel20,11 ct35 min99,6%13,46 ct
ESSOE5/E1013,3–13,9 ct35 min99,1%6,2 ct
JETDiesel15,16 ct21 min100%6,50 ct
STARDiesel15,06 ct36 min99,8%5,49 ct
ARALDiesel13,18 ct125 min1,5%4,74 ct
SHELLE59,52 ct123 min2,9%3,07 ct
ENIE56,19 ct105 min49,8%2,56 ct

Strategische Muster:

Aggressive Erhöher: ESSO hebt Diesel um durchschnittlich 20,1 Cent an – der höchste Wert aller Marken – senkt aber bereits nach 35 Minuten wieder und gibt sofort 13,5 ct zurück. Diese "Schock-und-Rücknahme"-Strategie signalisiert Preisbereitschaft nach oben, ohne dauerhaft teuer zu sein.

Schnellste Senker: JET reagiert am schnellsten mit einer medianen Haltezeit von nur 21 Minuten bei Diesel. 100% aller JET-Stationen senken innerhalb von 2 Stunden.

Preishalter: ARAL und SHELL halten den erhöhten Preis am längsten (über 2 Stunden). Nur 1,5% bzw. 2,9% senken innerhalb der ersten 2 Stunden. Diese Marken testen systematisch die Preisobergrenze aus.

Moderate Erhöher: ENI erhöht mit nur 6,2 ct am wenigsten, hält aber ebenfalls relativ lange. Die Strategie scheint auf Preisstabilität statt Volatilität zu setzen.

12-Uhr-Anomalien gegenüber Referenzzeitraum

MarkeSorteMetrikVeränderungSigma
SB-MarkttankstelleE5/E10Haltezeit47→63 min+9,29
Markenfreie TSDieselSenkung <2h84,6%→6,3%−3,48
Access/Markenfreie TSDieselHaltezeit68→161 min+2,78
TotalEnergiesDieselHaltezeit70→151 min+2,54
BURGER 24HDieselErhöhung10,8→16,4 ct+3,02
OIL!E5/E10Senkung <2h97,8%→87,1%−2,66 bis −2,80

Auffällige Verhaltensänderungen:

Markenfreie Tankstellen und Access haben ihr Diesel-Verhalten radikal geändert: Die Quote der Stationen, die innerhalb von 2 Stunden senken, ist von 84,6% auf nur noch 6,3% eingebrochen. Gleichzeitig stieg die Haltezeit von 68 auf 161 Minuten. Dies deutet auf eine koordinierte Strategieänderung hin – möglicherweise eine Anpassung an höhere Einkaufspreise oder ein Test des Marktes.

TotalEnergies zeigt bei Diesel ebenfalls eine deutlich verlängerte Haltezeit (70→151 min), während FAMILA in die Gegenrichtung geht und heute zu 100% innerhalb von 2 Stunden senkt (vorher 68%).

BURGER 24H erhöht Diesel heute um 16,4 ct statt der üblichen 10,8 ct (+52%) und senkt anschließend auch stärker (8,7 ct statt 4,7 ct). Die Volatilität dieser Marke hat deutlich zugenommen.

Markenübersicht nach Preisstrategie

MarkeΔ Markt (Diesel)Leader RatioStreuungEinordnung
LEO−2,59 ct71,4%1,23 ctPreisführer/Discounter
A Energie−1,27 ct77,8%1,87 ctRegional günstig (Rheinland-Pfalz)
tankpoint−1,01 ct73,7%2,72 ctLeicht unter Markt
CLASSIC+0,29 ct48,7%2,11 ctMarktneutral
Bergler+1,77 ct52,9%4,87 ctHeterogen, teils Premium
OIL! (Automat)+1,44 ct64,3%1,77 ctÜber Markt

LEO (Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim) agiert als konsequenter Niedrigpreisanbieter mit hoher Führungsquote – die Marke setzt aktiv Preise statt zu folgen.

Bergler zeigt die höchste Preisstreuung aller analysierten Marken (4,87 ct bei Diesel). Die Stationen in der Oberpfalz scheinen weitgehend autonom zu agieren, was zu erheblichen Preisunterschieden zwischen benachbarten Standorten führt.

Zusammenfassung

Der Kraftstoffmarkt am 19. April 2026 zeigt ein funktionierendes, aber nicht intensives Wettbewerbsgeschehen. Der PKI von 75 Punkten signalisiert aktive Preisunterbietung, jedoch kein aggressives Preiskampf-Niveau.

Zentrale Beobachtungen:

  • SB-Markttankstellen halten Preise heute signifikant länger – Strategiewechsel oder Kapazitätsengpass?
  • GULF positioniert sich als Diesel-Preisbrecher (−4 ct unter Markt)
  • SHELL NRW mit punktueller Niedrigpreis-Offensive (bis −7,6 ct bei Diesel)
  • Markenfreie Tankstellen und Access ändern Diesel-Strategie grundlegend: längere Haltezeiten, weniger Senkungen
  • ESSO bleibt bei der "Schock-Erhöhung"-Strategie (20 ct Diesel-Erhöhung, schnelle Rücknahme)
  • ARAL und SHELL testen Preisobergrenzen mit Haltezeiten über 2 Stunden

Die Preisspreizung zwischen günstigsten (ED, ORLEN, STAR) und teuersten Marken (ENI, ARAL, ESSO) beträgt bei Diesel etwa 7–8 Cent – ein Niveau, das für Endverbraucher relevante Einsparungen bei gezielter Tankstellenwahl ermöglicht.

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